In dem Netzwerk sind vertreten: Schulen und Staatliches Schulamt, Kammern, Arbeitgeber, Bildungsträger, Arbeitsvermittlungen, Wohlfahrtsverbände und der Odenwaldkreis. Ziel des Netzwerkes ist, die Vorgaben des Hessischen Ausbildungspaktes zur Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit zur Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hessen (OloV) für den Odenwaldkreis umzusetzen.
„Minister Dr. Alois Rhiel zeigte sich beeindruckt von der Arbeit des ‚Netzwerks im Übergang Schule-Beruf’ im Odenwaldkreis. Das Netzwerkbuch - also die Sammlung aller Institutionen und deren Angebote für Jugendliche im Übergang Schule–Beruf - und die Kooperationsvereinbarung als Arbeitsgrundlage der beteiligten Akteure erfuhr bei Minister Rhiel große Beachtung“, betont die regionale Koordinatorin des OloV-Projekts, Maria Zeitler vom Jugendamt des Odenwaldkreises. „Dass sich ein Ausbilderkreis von Arbeitgebern aktiv in die Netzwerkarbeit mit einbringt und die Berufsvorbereitung in Schulen mit unterstützt, zeigt, wie eng die Themen Ausbildungsreife, Berufsorientierung und Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zusammenhängen.“
Nun wird mit Unterstützung von INBAS GmbH (Institut für Berufliche Bildung und Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik) an den Qualitätsstandards, die durch die Partner des Hessischen Ausbildungspaktes vorgegeben sind, weitergearbeitet und die Zielvereinbarungen gemeinsam festgelegt.
„Zielsetzung ist, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Partner aufeinander angewiesen sind. Die Wirtschaft braucht gut ausgebildete Nachwuchskräfte und hat ein ureigenes Interesse daran, dass die Schülerinnen und Schüler bestens vorbereitet in die Betriebe kommen. Inzwischen hat sich die Position vieler Arbeitgeber auch dahingehend geändert, dass sie sich aktiv bei der Berufsvorbereitung und -orientierung einbringen, um bei Ausbildungsbeginn besser qualifizierte junge Männer und Frauen im Empfang zu nehmen. Diese Dialogbereitschaft wird uns in unserer Arbeit ein weiteres Stück voran bringen“, freut sich Maria Zeitler.
Positives Signal
Im Rahmen einer kleinen Feierstunde erklärte der Kreisbeigeordnete und Beauftragte für Schule und Jugend Dr. Michael Reuter (MdL) im Landratsamt in Erbach, er gehe davon aus, „dass ein weiteres positives Signal für die ausbildungswilligen Jugendlichen des Odenwaldkreises“ von der Unterzeichnung ausgeht. „Mit der Kooperationsvereinbarung und dem Netzwerk haben wir die auf Landesebene vorgelegten Qualitätsstandards zur Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit (OloV) bereits zum großen Teil erarbeitet und umgesetzt.“
Broschüre
Gleichzeitig wurde ein Netzwerkbuch vorgestellt, das die Vielzahl der Angebote zur beruflichen Eingliederung aufführt und die reichhaltige Menge an Hilfsangeboten, Anlaufstellen und Fördermaßnahmen anschaulich bündelt. Die Broschüre bietet einen Überblick und Grundinformationen über bestehende Programme, Angebote, Maßnahmen beruflicher Bildung und Ausbildung für Jugendliche und junge Erwachsene. Gleichzeitig enthält der Wegweiser eine Anschriftenliste der einzelnen Maßnahmenträger und eine Informationsübersicht zu den einzelnen Angeboten und Maßnahmen innerhalb einer Institution.
Regelmäßige Aktualisierung
Da sich die berufliche Eingliederungsförderung an Veränderungen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt orientieren muss, ist das Netzwerkbuch als Loseblatt-Sammlung konzipiert, so dass eine regelmäßige Aktualisierung erfolgen kann. „Alle Adressaten, Lehrerinnen und Lehrer,
Expertinnen und Experten erhalten mit dem Netzwerkbuch einen guten Überblick. Hervorzuheben ist, dass alle Beteiligten sich aktiv in die Arbeit eingebracht und regelmäßig an den Treffen teilgenommen haben. Hierfür möchte ich mich im Namen des Kreisausschusses herzlich bedanken. Nur so konnte die Vereinbarung und das Netzwerkbuch erarbeitet werden“, so Dr. Michael Reuter.
Infomationen:
Landratsamt Odenwaldkreis
Maria Zeitler
64711 Erbach
Tel.: 06062 70-462
E-Mail: m.zeitler@odenwaldkreis.de
Nachschlagewerk:
„Netzwerk Übergang Schule und Beruf im Odenwald“

Die Fleißarbeit über 136 Seiten erschlägt den Leser zunächst mit jeder Menge Zahlen, hält eben aber auch so manche Überraschung bereit. Die Informationen stehen allen offen, die statistisches Material über die junge Generation suchen. Das sind in erster Linie Behörden, Schulen, Kindergärten, aber auch Beratungsstellen und nicht zuletzt die Jugendgerichtshilfe. Denn auch die Entwicklung der Jugendkriminalität ist ein Thema im Sozialstrukturatlas. Zusammengetragen hat das Zahlenmaterial als Auftragsarbeit der Diplom-Soziologe Till Bickelhaupt, der bei der TU Darmstadt angestellt ist. Freilich beschreiben alle statistischen Angaben lediglich die Situation im Odenwaldkreis und dessen 15 Kommunen, und das auch nur bis zum Stichtag 31. Dezember 2005. Manches hat sich also in unserer schnelllebigen Zeit schon wieder überholt.
Und mit dem Blick allein auf die Region lässt sich ohne weitere Recherchen auch nicht sagen, ob etwa ein 2,4-Prozent-Anteil der Kinder unter drei Jahren an der Bevölkerung des Odenwaldkreises nun viel oder wenig ist im Vergleich zum Bundes- oder Landesdurchschnitt. Ersichtlich ist nur, dass in Hesseneck (1,5 Prozent), Sensbachtal (1,6 Prozent) und Rothenberg (1,8 Prozent) der Klapperstorch in letzter Zeit seltener zu Gange war und eher Breuberg (3,0 Prozent) wie auch Lützelbach (2,8 Prozent) angeflogen hat. Die Folgen des Nachwuchsmangels in der Oberzent stehen auch in der Statistik: Es gibt dort jetzt deutlich mehr Kindergartenplätze als gebraucht werden. Erschreckend ist allerdings, wie viele Kinder zu Hause wohl mit Sonderwünschen abblitzen, weil die Eltern mit jedem Cent rechnen müssen. Jeder neunte Odenwälder im Alter unter 15 Jahren war Ende 2005 mit seiner Familie auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen, in der Kreisstadt ist sogar jedes siebte Kind Hartz-IV-Empfänger. Rund 45 Prozent der jungen Betroffenen leben bei einem allein erziehenden Elternteil. Freilich dürfte sich hier die Lage angesichts anziehender Konjunktur zwischenzeitlich wieder etwas entspannt haben, wie die Kreisbehörde dazu mitteilte.
Dass die Odenwälder Jugend auch schon mal mit dem Gesetz in Konflikt kommt, ist kein Geheimnis. Erstmals haben im Jahr 2005 die Gewaltdelikte der Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren zahlenmäßig die Eigentumsdelikte übertroffen – und das sogar deutlich. Während Verstöße im Straßenverkehr seit einigen Jahren konstant auf erhöhtem Niveau verharren, kommen junge Odenwälder kaum häufiger in Konflikt mit Betäubungsmitteln als in den Jahren zuvor.
Im Verhältnis zur Einwohnerzahl brauchen Jugendliche in Erbach am häufigsten Beistand der Jugendgerichtshilfe, gefolgt von Höchst, Reichelsheim und Michelstadt. In Hesseneck, Sensbachtal, Beerfelden und Brombachtal ist dies am wenigsten nötig. Insgesamt wurde die Jugendgerichtshilfe im Jahr 2005 in 553 Fällen eingeschaltet, diese Zahl lag nur einmal im Jahr 2002 höher. Unter jenen jungen Odenwäldern, denen die Staatsanwaltschaft im Jahr 2005 solchen Beistand angetragen hat, waren 40 deutschstämmige Aussiedler, aber auch 120 Jugendliche ausländischer Herkunft, die damit im Odenwaldkreis fast doppelt so häufig mit dem Gesetz in Konflikt kommen wie die Jugendlichen insgesamt.
Der Sozialstrukturatlas über die junge Bevölkerung im Odenwaldkreis kann zum Preis von acht Euro bei Jugendhilfeplanerin Maria Zeitler unter Telefon 06062 70462 bestellt werden (E-Mail m.zeitler@odenwaldkreis.de).Dabei boten die Schüler der Klasse 10EB3 dem interessierten Publikum aus Schülern, Lehrern, Sozialpädagogen und Vertretern öffentlicher Institutionen mit ihrem Können, Fachwissen und den Vorführungen ein wahres Kontrastprogramm: Von ferngesteuerten "Monster-Trucks", einer Hundedressur - über Fußball, Sportwagen, Computer-Spiele, Kampfsport, PC-Hardware, Pferde - bis hin zu LARP, einem mittelalterlichen Live-Rollenspiel, war alles vertreten.
Dafür arbeiteten die Schüler in den vorangegangenen Wochen im Projekt- bzw. EDV-Unterricht an Themen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die sie besonders interessierten und die sie sich zu Beginn des Projektes ausgewählt hatten.
"Ich war selbst überrascht, was die Jungs da auf die Beine gestellt haben", lobte Klassenlehrer Thomas Wörner seine Schützlinge. "Schließlich handelt es sich hier um Schüler, die in ihrer bisherigen Schulkarriere oft nur Misserfolge kennen gelernt haben und dem Unterricht dementsprechend frustriert gegenübertreten, was sich dann auch bei einigen in negativen Arbeits- und Verhaltensweisen äußert. Wort wie: ‚Das schaffst du nicht!' oder ‚Das kannst du sowieso nicht!', haben sie schon zu oft gehört“. Außerdem sind diese Lerngruppen mit dem herkömmlichen Unterrichtsangebot und tradierten Methoden nur schwer oder gar nicht zu erreichen.
"Es war klasse, wie konzentriert und eigenverantwortlich die Schüler an ihren Themen gearbeitet haben, was ich von einigen bisher gar nicht kannte. Dass wir versuchen, die Stärken der Jugendlichen im Unterrichtsalltag zu nutzen und damit zu arbeiten, gehört zu unserem Beruf und wird von den Kolleginnen und Kollegen in diesen Klassen auch dementsprechend praktiziert. Eine in sich geschlossene Unterrichtseinheit zu diesem Thema durchzuführen, war jedoch schon eine ganz neue Erfahrung", so Thomas Wörner.
Die Idee dazu entstand auf dem letztjährigen internationalen Kongress des EU-Projektes „Spinach for Popeye“ im niederländischen Den Helder. Als Vertreter des Beruflichen Schulzentrums gehört Wörner, neben sieben weiteren Lehrkräften aus Allgemeinbildenden Schulen bzw. Vertretern der Jugendarbeit im Odenwaldkreis, zur regionalen Arbeitsgruppe dieses Projektes. Einer der Schwerpunkte war dort die Stärkung der Persönlichkeit von benachteiligten Jugendlichen durch gezielte Förderung ihrer individuellen Stärken. "Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, Erfahrungen und Eindrücke dieses Kongresses direkt in meiner täglichen Arbeit umzusetzen.", erläutert der Pädagoge
Den Aussagen der Gäste zu Folge, scheinen die Schüler auf jeden Fall davon profitiert zu haben. Sie ernteten viel Lob von den Besuchern, unter denen auch Maria Zeitler (Jugendamt / Koordinatorin EU-Projekte), Ursula Glück-Gürth (Jugendwerkstätten Odenwald), Frau Rippelbeck-Buscio (Georg-August-Zinn-Schule, Reichelsheim) und Herr Kimmel (Theodor-Litt-Schule, Michelstadt) waren.
"Ich habe heute viele Experten kennen gelernt", war eine der vielen positiven Rückmeldungen der Besucher, an die jungen Männer, so dass alle mit stolz geschwellter Brust den Vormittag Revue passieren lassen konnten.
Zu wahren Experten auf den verschiedensten Themenfeldern entwickelten sich die Schüler einer EIBE-Klassse der Beruflichen Schulen Odenwald in Michelstadt im Rahmen ihrer Projektpräsentation unter dem Motto: „Das kann ich“.
Während der Veranstaltung wurde vereinbart ein Überblick über die im Odenwaldkreis vorhandenen Institutionen und deren Angebote und Maßnahmen zur Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Mit Hilfe eines zu erstellenden Nachschlagewerkes soll somit die Zusammenarbeit der einzelnen Akteure erleichtert und der Informationsaustausch verstärkt werden. Gleichzeitig wurde die Zielvorgabe formuliert, den Dialog mit den lokalen Arbeitgebern zu intensivieren und deren Ausbildungsbereitschaft zu stärken. Mit Hilfe dieses Dialogs sollen ebenfalls die Erwartungen der Unternehmen an mögliche Auszubildende abgefragt und in konkrete Bildungsprogramme überführt werden. Grundlage hierfür ist ein bereits vorhandener Kriterienkatalog, der im Rahmen des Nationalen Pakts für Ausbildung unter Beteiligung der Bundesministerien für Arbeit, Wirtschaft und Technologie sowie Bildung und Forschung und der Handwerks- und Industrieverbände angefertigt wurde.

Die Vernetzung der lokalen Akteure beim Übergang von Schule zu Beruf im Odenwaldkreis weiter voranzutreiben, war Zielsetzung eines Workshops des Jugendamtes unter Leitung des Instituts für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH (INBAS) und dessen Referentin Andrea Nispel.
„Be your own entrepreneur - Sei dein eigener Unternehmer oder habe Mut Dich Deiner Stärken zu bedienen und sie für Dich selbst gewinnbringend einzusetzen.“ So lautete das Motto des diesjährigen EU-Kongresses in Den Helder (Holland) im Rahmen des EU-Jugendhilfeprojektes „Spinach for Popeye“, das bereits seit 1997 erfolgreich im Odenwaldkreis durchgeführt wird.
In diesem Projekt wollen die europäischen Länder voneinander lernen, welche Maßnahmen umgesetzt werden müssen, um Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf am effektivsten zu unterstützen.
Unter Beteiligung der Partner aus Holland (Den Helder), Schottland (Falkirk), Estland (Tallinn), Schweden (Göteborg) und des Odenwaldkreises wurde intensiv diskutiert und ein reger Austausch gepflegt.
Aktuell an diesem Thema gearbeitet haben Ingrid Schenkel, Oberzentschule-Beerfelden, Thomas Wörner, Berufliche Schulen des Odenwaldkreises (Michelstadt), Sylvia Rippelbeck-Buscio, Georg-August-Zinn-Schule (Reichelsheim) Horst Heuß, Georg-Ackermann-Schule (Rai-Breitenbach), Ursula Glück-Gürth, Jugendwerkstätten Odenwald e.V. (Erbach), Alexandra Putz, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (Michelstadt), Andreas Kimmel, Theodor-Litt-Schule (Michelstadt) unter der Leitung von Maria Zeitler vom Jugendamt des Odenwaldkreises.
Anregungen erhielten die Delegierten auch über ein Projekt, das die verstärkte Einbindung von Gesundheitsbewusstsein und Körper in der Arbeit mit Jugendlichen umfasst. Sich in seinem eigenen Körper Wohlfühlen, um gestärkt in die Welt hinausgehen zu können, ist eine entscheidende Grundlage beim Heranwachsen und Hineinwachsen in die Gesellschaft. Sich selbst akzeptieren, sich in Bezug zu anderen zu setzen und von Fehlern lernen zu dürfen, ist in der globalisierten und technologisierten Welt schwieriger geworden. Beispielhaft ist auch ein weiteres Projekt an einer Schule in Den Helder. Dort wird eine komplette Firma nachgestellt, in der kaufmännische Abläufe realitätsnah erlernt werden können.
Zusätzlich gilt es das Augenmerk auf die veränderten Lernstile von Jugendlichen richten. Was interessiert Jugendliche und wie können wir dies effektiver im Unterricht nutzen und sie besser motivieren? Stärker zu berücksichtigen ist ebenso das informelle Lernen (also nicht organisiertes Lernen außerhalb von Schule) für die Entwicklung sozialer Kompetenzen.
Das auf dem vorjährigen Kongress im Odenwaldkreis initiierte Projekt „Lebensführerschein“, das mittlerweile in einer Klasse der TLS in Michelstadt umgesetzt wird, hat Andreas Kimmel den Delegierten in Den Helder theoretisch und praktisch vorgestellt. Dabei mussten die Teilnehmer bestimmte Aufgaben erfüllen, die sich auch in der Unterrichtskonzeption wiederfinden und die Lebenskompetenzen sozial benachteiligter Jugendlicher stärken sollen. Inhalt dieses Programms ist die Vermittlung ganz alltäglicher Problemlösungskompetenzen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses sind auch in diesem Jahr wieder mit vielen neuen Anregungen nach Hause gefahren. Sie werden die Ideen in ihre Arbeit einfließen lassen und an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Ganz konkret wird Thomas Wörner von den Beruflichen Schulen Odenwald ein Projekt entwickeln, das an den individuellen Interessen der Schülerinnen und Schüler ansetzt. Dessen Ergebnisse werden dann der Arbeitsgruppe und Interessierten präsentiert



"Die reine Wissensvermittlung wird den Anforderungen in einer globalisierten Welt nicht mehr gerecht." - Vier Vertreter/-innen aus dem Odenwald erarbeiten deshalb im Rahmen eines internationalen Projektes neue Bildungsansätze: Eric Fecher vom Kommunalen Job-Center, Alexandra Putz vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V., Ursula Glück-Gürth von den Jugendwerkstätten Odenwald e.V. und Projekt-Koordinatorin Maria Zeitler vom Jugendamt des Odenwaldkreises. Zum Bericht.
ODENWALDKREIS. Der Odenwaldkreis will ein Netzwerk für junge Menschen aufbauen, die in der Regelschule gescheitert sind und so ins berufliche und soziale Abseits zu geraten drohen. Mit dem Ziel, solche Heranwachsende doch noch in die Gesellschaft einzugliedern, beteiligt sich die Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit Schulen des Landstrichs an einem bereits laufenden Projekt der Europäischen Union. Es trägt den Titel "Restart – Early School Leavers" (in etwa zu übersetzen mit "Neuanfang – Frühe Schulabgänger", d. Red.)
Wie aus einer Pressemitteilung des Landratsamts hervorgeht, nimmt der Odenwaldkreis die entsprechende Chance als einzige Region in Deutschland wahr. Er trägt damit der Erkenntnis Rechnung, dass Heranwachsende ohne Schulabschluss oder mit einer nur geringen Qualifikation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sind und so kaum noch ein reguläres Arbeitsleben erreichen können. Ohne diesen Einstieg aber ist ihr existenzielles Scheitern programmiert.
Mit dem Ziel, möglichst viele junge Odenwälder vor diesem Schicksal zu bewahren, traf sich Maria Zeitler vom Kreisjugendamt bereits im Dezember 2005 mit den Vertreterinnen und Vertretern neun weiterer europäischer Partnerländer und den Organisatoren von "Quartiers en Crise" (QEC-ERAN) in Brüssel, um einen konkreten Aktionsplan auszuarbeiten. Inzwischen sind die Vorbereitungen vertieft worden: Sylvia Rippelbeck-Buscio von der Georg-August-Zinn-Schule in Reichelsheim, Horst Heuß von der Georg-Ackermann-Schule in Rai-Breitenbach und Ursula Glück-Gürth von den Jugendwerkstätten Odenwald in Erbach nahmen gemeinsam mit Maria Zeitler am ersten Fachkongress zum Thema in Amsterdam teil. Er stand unter der Leitung von Haroon Saad, dem Europa-Direktor von "Quartiers en Crise".
Neben wissenschaftlichen Vorträgen von Professor Dan Finn (Universität Portsmouth, England) und Professor Bernard Escande vom französischen Kultusministerium rückten bereits laufende Fördermaßnahmen in den Partnerländern Slowenien und England in den Blickpunkt. Sie bemühen sich darum, haltlose Jugendliche in Ljubljana und London aufzufangen. Weiteres Augenmerk richtete sich auf die Situation im Amsterdamer Stadtteil Zuidoost, wo auch zwei innovative soziale Projekte besichtigt wurden.
Für die Arbeit im Odenwaldkreis hat Maria Zeitler von diesen Erfahrungen die Erkenntnis abgeleitet, dass eine erfolgreiche Eingliederung Heranwachsender ohne Schulabschluss eine enge Zusammenarbeit und Vernetzung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereiche voraussetzt. Im Odenwaldkreis soll in den nächsten Monaten ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut werden. Zur weiteren Sensibilisierung für das Thema will Zeitler im Herbst 2006 einen Fachtag arrangieren.
Quelle: Odenwälder Echo vom 13.04.2006
Organisiert wird die Verbundausbildung von Projektleiterin Maria Zeitler beim Odenwaldkreis, der auch als Leitbetrieb für die Ausbildung verantwortlich zeichnet. Hinzu gesellen sich mindestens zwei weitere Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen, die für eine klar geregelte Zeit und entsprechende finanzielle Beteiligung den Auszubildenden in ihren Betrieb aufnehmen, um dort ihr berufliches Know-how zu vermitteln. Bei Benjamin Uhrig sind die Gemeindeverwaltung Brombachtal und die Firma Grieser - Fachzentrum für Holz und Wohnen am Verbund beteiligt.
Sowohl Bürgermeister und „Dienstherr“ Willi Kredel als auch „Lehrmeister“ Markus Lukschanderl von der Firma Grieser sind begeistert von dem Projekt und loben das Engagement des Odenwaldkreises, ohne das die Lehrstelle sicher nicht entstanden wäre. „Wir wollten unseren Beitrag zur Bekämpfung des Lehrstellenmangels leisten, für eine kleine Verwaltung wie hier in Brombachtal wäre aber zum einen der Kostenfaktor zu hoch, zum anderen sind die organisatorischen Aufgaben kaum zu bewältigen. Nachdem entschieden war, dass die Gemeindevertretung die Maßnahme unterstützt, war jedoch klar: An dem Projekt werden wir uns beteiligen“, so Willi Kredel. Ins gleiche Horn bläst Markus Lukschanderl: „Wir bilden bereits eigenständig aus, hätten aber keinen zweiten Azubi einstellen können, wenn das Angebot nicht vorhanden wäre.“
So entstand mit der Lehrstelle gleichzeitig ein Zusammenspiel der ungewöhnlichen Art. Privatwirtschaft und Öffentliche Hand arbeiten eng zusammen und profitieren von den Erfahrungen und Sichtweisen, die Benjamin Uhrig jeweils nach einem halben Jahr mit in den Betrieb oder die Verwaltung bringt. „Es ist für uns beide interessant zu beobachten wie ein junger Mensch in den drei Jahren der Ausbildung heranreift. Jeweils beim Wechsel sind neue Fähigkeiten zu erkennen“ erläutert Willi Kredel und Markus Lukschanderl ergänzt: „ Anpassungsfähigkeit und Flexibilität werden durch den Einsatz in verschiedenen Lehrstätten erhöht. Außerdem sorgt der Odenwaldkreis für zusätzliche Fortbildungen zum Beispiel in der EDV oder auch mit Englisch-Kursen.“
Benjamin Uhrig fühlt sich wohl in seiner Rolle als „Pendler“ zwischen den drei Einrichtungen: „Ich lerne verschiedene Arbeitsabläufe kennen und bekomme einen Einblick, wo die Unterschiede zwischen Verwaltung und Firma liegen. Außerdem treffe ich auf neue Kollegen, was die Sachen zusätzlich spannend macht.“ Dabei weiß Benjamin Uhrig, dass in keiner der Ausbildungsstätten eine Übernahmegarantie besteht. „Ich muss mich halt weiter anstrengen“, lautet sein Fazit.
Wer sich über das Thema Verbundausbildung informieren möchte, kann Kontakt mit Projektleiterin Maria Zeitler unter 06062/70462 bzw. m.zeitler@odenwaldkreis aufnehmen. Dort ist auch ein Informationsflyer zur Verbundausbildung erhältlich.
Drei Betriebe ein Auszubildender: Benjamin Uhrig (vorne) an seinem Arbeitsplatz in der Gemeindeverwaltung Brombachtal mit Projektleiterin Maria Zeitler, Brombachtals Bürgermeister Willi Kredel und Markus Lukschanderl von der Firma Grieser - Fachzentrum für Holz und Wohnen.

"Unser Seminar-Angebot ist neben der Vermittlung und Auffrischung von Grammatik und Vokabularkenntnissen direkt an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet. So werden als weitere Inhalte auch das Abfassen von Geschäftsbriefen und E-mails sowie die telefonische Gesprächsführung in englischer Sprache geübt. Somit profitieren umso mehr auch die Ausbildungspartner, die zunehmend internationale Geschäftsbeziehungen unterhalten."
Durchgeführt wird das Seminar von der Fachbereichsleiterin der Volkshochschule/Akademie für Lebenslanges Lernen im Odenwaldkreis, Karen Wallot. "Mrs Wallot, die selbst in englischer Muttersprache aufgewachsen ist, kann zusätzlich Detailkenntnisse weitergeben, über die andere nicht verfügen. So wird manche Feinheit und Finesse insbesondere hinsichtlich der direkten Kommunikation vermittelt. Außerdem kommt der engagierte Unterricht, gepaart mit spielerischer Leichtigkeit und Spaß am Lernen, sehr gut bei den Verbund-Auszubildenden an", so Maria Zeitler.
Fortbildungsveranstaltungen für die Verbundauszubildenden werden vom Odenwaldkreis einmal jährlich in Absprache mit den Verbundbetrieben durchgeführt. Diese Serviceleistung, durch den Kreisausschuss des Odenwaldkreises organisiert, wird durch Fördergelder vom Land Hessen und durch Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt.
Weitere Informationen sind bei der Projektleiterin der Ausbildungsverbünde Odenwaldkreis, Maria Zeitler erhältlich: Telefon 0 60 62 / 7 04 62; E-Mail: m.zeitler@odenwaldkreis.de.
Insgesamt zehn Verbund-Auszubildende des Odenwaldkreises nahmen auch in diesem Jahr am Englischkurs von Karen Wallot (rechts) teil, um ihre Englischkenntnisse insbesondere hinsichtlich der Anforderungen in ihren Unternehmen auszubauen.
Der Kongress beschäftigt sich dieses Jahr mit dem Thema:
Prävention und Intervention
Sinnvolle Lebensgestaltung für Jugendliche ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt
"Fit for Life" / Entwicklung innovativer und lebensweltorientierter pädagogischer Konzepte
Teilnehmende EU-Partnerländer neben dem Odenwaldkreis sind: Niederlande (Den Helder), Schottland (Falkirk), Schweden (Helsingborg, Göteborg), Spanien (Sabadell), Italien (Palermo)
